Das Ende starrer Schemata? Kuka verkündet Strategie "Automation 2.0"

20.04.2026
Lesezeit: 5 min
Das Ende starrer Schemata? Kuka verkündet Strategie "Automation 2.0"

In der Industriewelt, in der Ingenieure jahrzehntelang jede Maschinenbewegung auf den Millimeter genau programmierten, steht ein fundamentaler Wandel bevor. Der Robotik-Riese Kuka hat seine Vision "Automation 2.0" vorgestellt. Dies ist mehr als nur ein Software-Update - es ist der Versuch, die Beziehung zwischen Mensch und Maschine durch die Implementierung von "Physical AI" neu zu definieren.

Während die traditionelle Automatisierung auf starren Wenn-Dann-Regeln basierte, setzt die neue Strategie von Kuka auf Intentionen. Dieser revolutionäre Ansatz sieht vor, dass der Bediener keine komplexen Steuerungsalgorithmen mehr schreiben muss. Stattdessen definiert er das gewünschte Ziel, und das System ermittelt mithilfe fortschrittlicher KI-Modelle selbstständig den optimalen Weg zur Umsetzung.

Der Roboter als intelligenter Partner statt als reines Werkzeug

Der Schlüssel zum Verständnis dieser Transformation liegt im Begriff "Physical AI". Hierbei handelt es sich nicht um einen digitalen Assistenten auf einem Bildschirm, sondern um eine Intelligenz, die die physische Welt versteht, ihre Umgebung wahrnimmt und sich in Echtzeit an veränderte Bedingungen anpasst.

Christoph Schell, CEO der Kuka Group, betont, dass das Ziel die Entwicklung von Robotern zu intelligenten Kollaborateuren ist. Dank der neuen Architektur sollen Maschinen kontinuierlich lernen, was eine sicherere und effizientere Zusammenarbeit mit dem Menschen ermöglicht. Für Unternehmen bedeutet dies vor allem eine drastische Verkürzung der Inbetriebnahmezeiten neuer Arbeitsstationen sowie deutlich geringere Konfigurationskosten.

Kuka AMP: Das Herzstück des neuen Systems

Das technologische Fundament dieser Vision ist die neue Plattform Kuka AMP (Automation Management Platform). Sie fungiert als übergeordnete Ebene, die Hardware, Software und fortschrittliche Simulationswerkzeuge vereint. Dies entspricht dem globalen Trend der Software-defined Automation, bei der die Intelligenz und Flexibilität des Produktionssystems von der klassischen SPS-Ebene (Speicherprogrammierbare Steuerung) direkt in eine flexible Softwareumgebung verlagert wird.

Mit AMP erhalten Unternehmen ein Werkzeug zur Skalierung der Produktion, das bisher Tech-Giganten vorbehalten war. Es fungiert als digitale Brücke, die die Präzision des traditionellen Engineerings mit der Kreativität von KI-Algorithmen verbindet.

Evolution statt Revolution: Was wird aus "Automation 1.0"?

Branchenexperten stellen sich die Frage: Bedeutet dies das Ende der klassischen Automatisierung? Kuka beruhigt - die Automation 1.0, basierend auf Determinismus und bewährten Regeln, bleibt das Fundament. Dort, wo es auf absolute Wiederholgenauigkeit und Millimeterpräzision in Sekundentaktzyklen ankommt, ist der traditionelle Ansatz nach wie vor unübertroffen.

Die neue Strategie ist vielmehr eine Erweiterung. KI soll dort zum Einsatz kommen, wo Prozesse für einfache Regeln zu komplex werden oder wo die Variantenvielfalt der Produkte eine höhere Flexibilität der Maschinen erfordert. Es ist ein Hybridmodell, das die Stabilität der "alten Welt" mit den Möglichkeiten der "neuen Welt" verbindet.

Rekordinvestitionen und der globale Wettlauf

Die ehrgeizigen Pläne spiegeln sich in den Zahlen wider. Im Jahr 2025 investierte Kuka die Rekordsumme von 213 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen baut seine Kompetenzzentren weltweit aus, unter anderem im Silicon Valley und in Asien - einem Schlüsselmarkt im Kampf um die Vorherrschaft in der Robotik. Die Ergebnisse auf dem chinesischen Markt, wo der Umsatz erstmals die Marke von einer Milliarde Euro überschritt, verdeutlichen die enorme Nachfrage nach fortschrittlicher Automatisierung.

Herausforderungen am Horizont

Trotz des Optimismus steht die Branche vor Hürden. Der Übergang zu KI-gestützten Systemen erfordert nicht nur eine neue IT-Infrastruktur (Edge- und Cloud-Computing), sondern vor allem ein Umdenken in der Unternehmenskultur sowie die Gewährleistung höchster Sicherheitsstandards. "Physical AI" muss im industriellen Umfeld nicht nur klug, sondern absolut berechenbar sein.

Die Strategie "Automation 2.0" ist ein klares Signal: Die Industrie ist keine reine Domäne der Mechanik mehr. Sie wird zum Vorreiter modernster Informationstechnologie, in der der Roboter nicht mehr nur Befehlsempfänger ist, sondern ein autonomes Glied in einer intelligenten Wertschöpfungskette.

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