Der Beginn des Jahres 2026 hat Instandhaltungsleitern und Einkaufschefs schmerzlich vor Augen geführt, wie fragil das globale System der vernetzten Lieferketten ist. Während die Produktionshallen in Europa auf Hochtouren laufen, herrscht in den Logistikbüros nervöse Betriebsamkeit. Der Grund? Ein geopolitischer gordischer Knoten, der sich um die wichtigsten Handelsrouten der Welt schlingt.
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Umweg um Afrika: Zeit ist Geld
Die Lage im Roten Meer und in der Straße von Hormus, die sich zum Jahreswechsel verschärft hat, ist längst kein reines Nachrichtenthema mehr. Für eine europäische Fabrik bedeutet dies, dass ein Container mit Elektronikkomponenten aus Asien nicht mehr 30, sondern fast 50 Tage unterwegs ist. Die Umleitung der Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung bedeutet nicht nur Tausende zusätzliche Seemeilen, sondern vor allem einen drastischen Anstieg der Treibstoffkosten und Versicherungsprämien.
In der industriellen Automatisierung - wo viele Komponenten, von Prozessoren in HMI-Panels bis hin zu Kondensatoren in Frequenzumrichtern, aus Fernost stammen - ist diese Verzögerung sofort spürbar. "Die Lieferzeit ist heute ein ebenso kritischer Parameter wie die Strombelastbarkeit oder die Anzahl der Digitaleingänge", hört man immer öfter in den Gängen der Fachmessen.
Was sagen die Experten?
Die Lage ist ernst, was auch globale Logistikspezialisten bestätigen. Vincent Clerc, CEO von Maersk, fand in seinen jüngsten Analysen zu den Störungen der Handelsrouten deutliche Worte: - Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass diese Störungen anhalten. Dies ist kein Problem, das sich in einer Woche von selbst löst. Das Transportnetz ist extrem angespannt, und jede Schiffsumleitung wirkt sich auf die Containerverfügbarkeit an einem ganz anderen Ort der Welt aus.
Diese von Clerc beschriebene "Netzspannung" überträgt sich direkt auf Ihre Schaltschränke. Wenn Komponenten knapp werden, beginnen die Preise auf dem Zweitmarkt und bei unabhängigen Distributoren dynamisch zu steigen.
Die "Just-in-Case"-Strategie
Jahrelang vertraute die Industrie auf das Just-in-Time-Modell. Der Januar 2026 begräbt diese Idee endgültig in ihrer orthodoxen Form. Heute gewinnen diejenigen, die auf Safety Stock und Partner setzen, die physische Bestände in Europa vorhalten.
Wir bei Automation Trader beobachten dieses Phänomen täglich. Unternehmen, die sich einen 8-wöchigen Linienstillstand wegen eines fehlenden E/A-Moduls nicht leisten können, suchen verstärkt nach alternativen Bezugsquellen. Geopolitik ist kein Scherz - sie bedeutet reale Stillstandskosten, die im Extremfall Zehntausende Euro für jede Stunde Stillstand in der Fertigung kosten können.







