CYBERANGRIFFE KÖNNTEN DIE INDUSTRIE LAHMLEGEN! Britische Sicherheitsbehörden warnen vor wachsender KI-Bedrohung

03.11.2026
Lesezeit: 10 min
CYBERANGRIFFE KÖNNTEN DIE INDUSTRIE LAHMLEGEN! Britische Sicherheitsbehörden warnen vor wachsender KI-Bedrohung

Künstliche Intelligenz könnte das Ausmaß und die Komplexität von Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen innerhalb der nächsten zwei Jahre erheblich erhöhen. Davor warnt das britische National Cyber Security Centre (NCSC) in seiner jüngsten Einschätzung. Besonders gefährdet sind Systeme, die auf veralteten Technologien und unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen basieren. Für eine Industrie, die zunehmend von Automatisierung und digitaler Vernetzung abhängig ist, bedeutet dies: Cybersicherheit darf längst keine Nebensache mehr sein.

Am 3. November 2026 veröffentlichte das britische National Cyber Security Centre eine Einschätzung, die nicht nur IT-Fachleute, sondern auch Unternehmer und Verantwortliche in Produktionsbetrieben aufhorchen lassen sollte.

Nach Einschätzung des NCSC ist es sehr wahrscheinlich, dass bis 2028 KI-gestützte Schadsoftware bei einem Ransomware-Angriff auf kritische Infrastrukturen Großbritanniens eingesetzt wird. Bei solchen Angriffen sperren Kriminelle in der Regel den Zugriff auf Systeme oder Daten und fordern anschließend Lösegeld.

Dabei handelt es sich um eine Prognose möglicher Bedrohungen und nicht um die Bestätigung eines bereits erfolgten Angriffs. Dennoch deutet die Einschätzung des NCSC, das zum britischen Nachrichtendienst GCHQ gehört, darauf hin, dass die Risiken in den kommenden Jahren erheblich zunehmen könnten.

Die größte Sorge gilt dabei nicht unbedingt völlig neuen Angriffsmethoden. Vielmehr könnte künstliche Intelligenz die Identifizierung und Ausnutzung bereits bestehender Sicherheitslücken deutlich beschleunigen. Das hat auch weitreichende Folgen für industrielle Infrastrukturen.

1. Künstliche Intelligenz verändert die Bedrohungslage – China und Russland im Fokus

Noch vor wenigen Jahren erforderten komplexe Cyberangriffe erhebliche Ressourcen, spezialisiertes Fachwissen und viel Zeit. Künstliche Intelligenz könnte diese Hürden zunehmend senken.

KI kann die Analyse großer Datenmengen automatisieren, die Suche nach Schwachstellen beschleunigen und bestimmte kriminelle Aktivitäten effizienter machen. Angreifer könnten dadurch schneller handeln und mehrere Operationen gleichzeitig durchführen.

Das NCSC warnt davor, dass Staaten wie China und Russland bis 2028 voraussichtlich routinemäßig künstliche Intelligenz einsetzen werden, um ihre geopolitischen Ziele im Cyberraum zu verfolgen.

Besondere Aufmerksamkeit widmen die britischen Sicherheitsbehörden den Fähigkeiten Chinas. Das Land wird als eine der bedeutendsten potenziellen Bedrohungen für strategisch wichtige Systeme Großbritanniens eingestuft.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder künftige Cyberangriff staatlich gesteuert sein wird. Auch organisierte kriminelle Gruppen könnten von den zunehmend zugänglichen KI-Technologien profitieren. Ihr Hauptmotiv bleibt dabei in der Regel der finanzielle Gewinn.

Richard Horne, Leiter des NCSC, weist auf seit Jahren bestehende Schwächen in der technologischen Sicherheit hin. Das Problem besteht darin, dass bislang unentdeckte oder vernachlässigte Sicherheitslücken künftig in wesentlich größerem Umfang identifiziert und ausgenutzt werden könnten.

Besonders kritisch ist diese Entwicklung für lebenswichtige Infrastrukturen, darunter Energieversorgung, Verkehrssysteme, Wasserversorgung und andere Einrichtungen, die für das Funktionieren moderner Gesellschaften unverzichtbar sind.

Störungen in diesen Bereichen können Folgen haben, die weit über die finanziellen Verluste einzelner Unternehmen hinausgehen.

2. Die vernetzte Fabrik: Neue Sicherheitsherausforderungen für die Industrieautomatisierung

Moderne Produktionsbetriebe bestehen längst nicht mehr aus einzelnen Maschinen, die unabhängig voneinander arbeiten.

Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), Frequenzumrichter, SCADA-Systeme, Bedienpanels (HMI) und industrielle Sensoren bilden komplexe Automatisierungsnetzwerke. Diese werden zunehmend mit der IT-Infrastruktur des Unternehmens, Analyseplattformen und Lösungen zur Fernüberwachung verbunden.

Diese Entwicklung bringt erhebliche Vorteile mit sich. Unternehmen können ihre Produktionseffizienz überwachen, den Energieverbrauch analysieren, mögliche Ausfälle frühzeitig erkennen und ihre gesamten Fertigungsprozesse optimieren.

Mit der zunehmenden Vernetzung entstehen jedoch auch neue Risiken.

Jede zusätzliche Verbindung zwischen Systemen muss angemessen geschützt werden. Veraltete Software, unsichere Konfigurationen oder unzureichend kontrollierte Fernzugriffe können die Anfälligkeit für Cyberangriffe erhöhen.

Dabei müssen Angreifer nicht einmal die direkte Kontrolle über eine SPS übernehmen, um industrielle Abläufe erheblich zu beeinträchtigen.

Bereits der Verlust des Zugriffs auf Produktionsmanagementsysteme, technische Dokumentationen oder wichtige Betriebsdaten kann schwerwiegende Probleme verursachen. In bestimmten Situationen kann es sogar notwendig werden, die Produktion vorübergehend einzustellen, bis die Sicherheit und Integrität der betroffenen Systeme überprüft wurden.

Eine besondere Herausforderung stellen ältere Industrieanlagen dar.

In vielen Fabriken sind Maschinen im Einsatz, die seit fünfzehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahren zuverlässig arbeiten. Mechanisch befinden sie sich häufig in einem guten Zustand und erfüllen ihre Aufgaben weiterhin problemlos.

Schwierigkeiten entstehen jedoch dann, wenn ihre Steuerungssysteme ursprünglich nicht für die heutigen Anforderungen an die Cybersicherheit entwickelt wurden.

Die Modernisierung solcher Anlagen ist nicht immer einfach. Der Austausch einer Steuerung kann Softwareanpassungen, Kompatibilitätsprüfungen und unter Umständen umfangreiche Änderungen an der bestehenden Automatisierungsarchitektur erforderlich machen.

Deshalb muss industrielle Cybersicherheit zu einer gemeinsamen Aufgabe von IT-Abteilungen, Automatisierungstechnikern und Fachkräften der Instandhaltung werden.

Es reicht nicht aus, lediglich die Bürocomputer eines Unternehmens zu schützen, wenn die Systeme zur Steuerung der Produktionsanlagen unzureichend abgesichert bleiben.

3. Industrielle Instandhaltung im Zeitalter der Cyberbedrohungen: Wie gut ist die Industrie vorbereitet?

Die Einschätzung des NCSC wirft für Industrieunternehmen eine entscheidende Frage auf: Können sie ihren Betrieb aufrechterhalten, wenn ein Teil ihrer digitalen Infrastruktur plötzlich nicht mehr verfügbar ist?

Für Produktionsunternehmen hängt die Antwort von verschiedenen Faktoren ab.

Grundlage ist zunächst ein umfassender Überblick über die vorhandene Infrastruktur. Unternehmen sollten wissen, welche Geräte in ihren Anlagen eingesetzt werden, welche Systeme mit Netzwerken verbunden sind, welche Software sie verwenden und ob die jeweiligen Hersteller weiterhin technischen Support anbieten.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören außerdem die Trennung von Unternehmens-IT und industriellen OT-Netzwerken (Operational Technology), die Kontrolle von Fernzugriffen, zuverlässige Sicherungskopien von Gerätekonfigurationen sowie die regelmäßige Bewertung verfügbarer Sicherheitsupdates.

In industriellen Umgebungen müssen Softwareaktualisierungen allerdings sorgfältig geplant werden. Dabei sind Kompatibilität, Betriebssicherheit und Produktionskontinuität gleichermaßen zu berücksichtigen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verfügbarkeit von Ersatzteilen.

Sollte nach einem Cybervorfall der Austausch einer Steuerung, eines Kommunikationsmoduls oder eines anderen industriellen Geräts erforderlich sein, kann die Beschaffungszeit entscheidenden Einfluss darauf haben, wie schnell die Produktion wieder aufgenommen werden kann.

Genau hier gewinnt die Erfahrung von Unternehmen wie Automation Trader, die auf die Lieferung von Komponenten für die Industrieautomatisierung spezialisiert sind, besondere Bedeutung.

Der Zugang zu schwer beschaffbaren Ersatzteilen, umfassende Marktkenntnisse und die Fähigkeit, geeignete Ersatzlösungen zu finden, können Unternehmen dabei unterstützen, Stillstandszeiten zu reduzieren.

Selbstverständlich beseitigt der Austausch eines Geräts nicht die eigentlichen Ursachen eines Cyberangriffs und ersetzt auch keine wirksamen IT-Sicherheitsmaßnahmen.

Er verdeutlicht jedoch, dass industrielle Widerstandsfähigkeit einen ganzheitlichen Ansatz erfordert. Cybersicherheit, Anlagenzuverlässigkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und Notfallpläne müssen gemeinsam betrachtet werden.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass künstliche Intelligenz keineswegs ausschließlich ein Werkzeug für Angreifer ist.

KI-basierte Technologien können auch dabei helfen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen, ungewöhnliches Systemverhalten zu identifizieren und Sicherheitsteams bei einer schnelleren Reaktion auf Vorfälle zu unterstützen.

In der Praxis entsteht dadurch ein technologischer Wettlauf, bei dem Industrieunternehmen ihre Schutzmaßnahmen kontinuierlich weiterentwickeln müssen, während sie gleichzeitig ihre digitalen Möglichkeiten ausbauen.

Die Warnung der britischen Sicherheitsbehörden bedeutet nicht, dass europäische Fabriken im Jahr 2028 zwangsläufig durch Cyberangriffe lahmgelegt werden. Sie zeigt jedoch, dass der mögliche Einsatz künstlicher Intelligenz gegen kritische Infrastrukturen eine ernst zu nehmende Bedrohung darstellt, auf die sich Unternehmen bereits heute vorbereiten sollten.

Für die Industrie lässt sich daraus eine klare Schlussfolgerung ziehen: Moderne Industrieautomatisierung muss mit Cybersicherheit und einer hohen betrieblichen Widerstandsfähigkeit einhergehen.

Denn die Zuverlässigkeit einer modernen Fabrik hängt heute nicht mehr allein von der Qualität ihrer Maschinen ab, sondern auch von der Widerstandsfähigkeit der gesamten technologischen Infrastruktur, die diese Maschinen am Laufen hält.

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